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Nora Kircher
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Buchauszug:
Nora Kircher
Milchfrei leben -
glutenfrei leben
Einsteiger-Ratgeber für Laktoseintoleranz und Zöliakie - mit über 100
Rezepten
Vorwort
Ich selbst bin Sprue - Betroffene und habe eine Laktoseintoleranz. Natürlich war
die Diagnose auch für mich ein Schock. Mir ging es zwar gesundheitlich sofort
besser, nachdem ich die Diät aß, aber ich glaubte, daß es nun für mich keine
Lebensmittel mehr gäbe.
...
Je mehr Lebensmittel ich entdeckte, um so mehr machte es mir Freude, neue Dinge
auszuprobieren. Ich lernte viel über Ernährung und weiß jetzt, daß ich mich
gesund ernähre. Ich esse keine Milchprodukte, keine Mehlprodukte, keinen Zucker
und weder Fleisch, Fisch noch Eier. Trotz all dieser Einschränkungen habe ich
noch ausreichend leckere und gesunde Nahrungsmittel. Ich weiß wenigstens, was
ich esse.
Auf Reisen, bei Freunden oder im Krankenhaus hilft mir auch ein wenig
Bescheidenheit. Sollte ich mich einmal bedauern, oder andere tun dies, dann
denke ich einfach, daß es auf der Erde viele Menschen gibt, die hungern. Sie
wären froh und würden vor allem überleben, wenn sie nur einen winzigen kleinen
Teil von dem hätten, was ich alles noch essen darf.
Nach ein paar Jahren Erfahrung mit gluten- und laktosefreier Diät erschien 1991
die erste Ausgabe dieses Buches. Damals schrieb Sophia Beisel (Deutsche Zöliakie
- Gesellschaft e.V., Suttgart) ein Vorwort:
"Wir freuen uns, daß mit dem Ratgeber >Milchfrei leben - glutenfrei leben<
erstmals ein Werk erscheint, daß den praktischen Bedürfnissen einer sehr
speziellen Patientengruppe gerecht wird.
Die tägliche Erfahrung der Autorin ermöglicht eine praxisnahe und vielfältige
Betrachtungsweise, die sich in der gründlichen Auseinandersetzung mit der
Thematik widerspiegelt. Die in den erprobten Rezepten verwendeten Zutaten werden
zunächst erläutert, so daß sich Anwender einen Oberblick verschaffen können.
Komplettiert wird der Ratgeber durch Tips für Lagerung und Haltbarmachung sowie
Reiseempfehlungen, die ebenfalls auf eigenen Erfahrungen beruhen.
Von der Kreativität und dem Ideenreichtum der Autorin werden die Leserinnen und
Leser profitieren. Sie werden angeregt und ermutigt, Neues zu probieren."
Von diesem ersten Buch erschienen über ein Dutzend Neuauflagen, alle beinahe
unverändert.
Inzwischen hat sich aber einiges auf dem Markt geändert, unter anderem gibt es
einige neue Lebensmittel und das europäische Lebensmittelrecht , so, daß eine
komplett überarbeitete Neuauflage notwendig wurde.
In der schnellebigen Zeit, kann es trotzdem passieren, daß Sie Lebensmittel
entdecken, die hier nicht erwähnt sind. Damit will ich sagen: Alle nachfolgenden
Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind ohne Gewähr.
Entwickeln auch Sie eine "Spürnase" für leckere laktose- und glutenfreie
Lebensmittel, und Sie werden, genau wie ich, keine nennenswerten Entbehrungen
mehr haben. Obwohl ich scheinbar viele Einschränkungen habe, ist unsere
Küche so abwechslungsreich und lecker, daß wir diese Diät schon viele Jahre
nicht mehr als solche empfinden. Lassen Sie sich von meinem Buch inspirieren und
auch bei Ihnen wird es bald leckeres und gesundes Essen geben.
Nora Kircher
Einleitung
Zöliakie / Sprue
Die Zöliakie (bei Erwachsenen heißt diese Erkrankung Sprue,
gesprochen Spru) ist eine Stoffwechselerkrankung. In Deutschland sind etwa
70.000 Menschen davon betroffen, in Österreich etwa 7000, in der Schweiz etwa
6500.
Es besteht eine lebenslange, angeborene Unverträglichkeit gegenüber dem
Klebereiweiß Gluten in unserem heimischen Getreide. Gluten (Betonung liegt auf
der zweiten Silbe: Gluten) zerstört die Zotten (Schleimhaut) im
Dünndarm. Die Zotten entnehmen die Nährstoffe der Nahrung. Wenn sie fehlen,
kommt es zwangsläufig zu Mangelerscheinungen.
Eine gesicherte Diagnose kann nur durch eine Dünndarmbiopsie
(Gewebeuntersuchung) gestellt werden. Die Therapie ist eine lebenslange
glutenfreie Diät.
Laktoseintoleranz,
Milchallergie
Für eine Unverträglichkeit gegenüber Milch gibt es sehr viele Gründe.
Meistens besteht eine Allergie gegenüber Bestandteilen in der Milch, oder es
liegt eine Intoleranz vor. Oft ist sie nur vorübergehend.
Milch in jeglicher Form muß unbedingt vermieden werden. Selbstverständlich
dürfen Menschen mit einer Milchunverträglichkeit heimische Getreide essen. Alle
Rezepte in diesem Buch können dahingehend verändert werden, die Zutaten werden
entsprechend doppelt angegeben.
Der Weg zur richtigen Diagnose kann sehr unterschiedlich sein. Eine Allergie
wird durch einen Allergietest festgestellt. Dafür gibt es den IgE-Antikörpertest,
sowie den IgG-Antikörpertest. Wenn der Verdacht auf eine Allergie besteht,
reicht es manchmal aus einige Tage komplett auf milchhaltige Lebensmittel zu
verzichten. Tritt dabei eine deutliche Besserung auf, spricht es für sich.
Dabei ist aber nicht unbedingt klar, ob es sich um eine Allergie oder eine
Intoleranz handelt. Eine Intoleranz läßt sich durch einen Atemgas- oder Bluttest
diagnostizieren. Die meisten Neugeborenen vertragen keine Kuhmilchprodukte, denn
sie haben nur das Enzym zur Verdauung der Muttermilch, nicht aber das zur
Verdauung der Kuhmilch. Hier bieten einige Babykosthersteller
Speziallebensmittel an. Fragen Sie danach in Ihrer Apotheke oder im Reformhaus.
Laktose
Dies ist ein Milchzucker, der zur Gruppe der Zweifachzucker gehört
und aus Glukose und Galaktose besteht. Er ist der Bestandteil der Milch, der
meistens nicht vertragen wird. Hierfür gibt es verschiedene Gründe (z.B.
Allergie oder Intoleranz).
Gegen Milchsäure, einen weiteren Bestandteil der Milch, besteht oft keine
Unverträglichkeit. Bevor Sie diese allerdings essen, sollten Sie Ihren Arzt oder
Ihre Ärztin befragen. Milchsäure wird gern zum milchsauren Einmachen verwendet.
Die entsprechenden Lebensmittel sind aber in der Regel gekennzeichnet, nicht so
bei Laktose. Sie wird gerne als Zusatzstoff den Lebensmitteln hinzugefügt.
Gluten
Gluten ("Klebereiweiß") besteht aus den Eiweißen Gliadin und Glutelin.
Reines Gluten entsteht bei der Herstellung von Weizenstärke. Dieses
>>Abfallprodukt<< hat hervorragende Eigenschaften: Es ist ein guter Emulgator,
d.h., es bindet Fett mit Wasser (Flüssigkeit). Da Gluten für Menschen, die nicht
an Zöliakie erkrankt sind, nicht schädlich und außerdem sehr preiswert ist, wird
es von der Lebensmittelindustrie gern verwendet. Außerdem ist Gluten ein gutes
Trägermaterial, beispielsweise für Medikamente, Geschmacksverstärker und Aromen.
Rezeptbeispiele
Kokosgetränk
100 g Kokosraspel
1/2 Liter Wasser
Die Kokosraspel mit kochendem Wasser übergießen, mit einem Zauberstab pürieren
und durch ein feines Sieb gießen.
Warm oder kalt, mit oder ohne Kakao oder Carob trinken.
Grundrezept für Brot und Hefekuchen
500 g glutenfreies Mehl (KulturGut Alte Schiede)
5 g Guarkernmehl
20 g Trockenhefe (Bioladen, Reformhaus)
5 bis 10 g Salz
450 ml Wasser (oder 20 ml Zitronensaft und 430 ml Wasser)
(ergibt ohne weitere Zutaten, etwa 1000 g Brot)
Alle Zutaten mit einem Mixer 4 bis 5 Minuten verrühren. Zum Aufgehen mit einem
Handtuch abdecken und 60 Minuten an einen warmen Ort stellen. Danach den Teig
noch mal verrühren, in eine Backform füllen und in den Backofen stellen, den Sie
erst dann auf 180°C stellen. Nach etwa 50 bis 70 Minuten (Nadelprobe) ist das
Brot fertig.
Weitere Zubereitungsmöglichkeiten werden im Kapitel "Zubereitung Teig"
beschrieben.
Varianten:
-
Sie können wahlweise nach Geschmack
Sesamsaat, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Nüsse oder Mandelsplitter
dazugeben, z.B. 50 g Sesam und 50 g Sonnenblumenkerne.
-
Sesam und/oder Sonnenblumenkerne vorher
ohne Fett in der Pfanne rösten.
-
Für einen Pizzaboden nehmen Sie 420 ml
Wasser und 30 ml Olivenöl.
-
Kurz vor dem Ende der Rührzeit gebratene
Zwiebeln dazugeben.
-
Kurz vor dem Ende der Rührzeit
kleingeschnittene Olivenstücke dazugeben.
-
Kurz vor dem Ende der Rührzeit
kleingeschnittene Walnußstücke dazugeben.
Gebratene Bananen
2 Bananen
4 EL Sonnenblumen- oder Distelöl
2-3 EL Honig (je nach Geschmack)
2 EL Zitronensaft
Die frischen Bananen schälen, der Länge nach halbieren und in einer Pfanne mit
etwas Öl braten. Mit Honig und Zitronensaft abschmecken.
Fruchteiscreme
1/4 Tasse Saft
500 g Beerenobst
2 Bananen
Agavendicksaft, Ahornsirup oder Birnendicksaft
Die Menge der einzelnen Zutaten ist nicht wichtig. Sie können nichts falsch
machen. Durch die Bananen bekommt das Eis einen vollmundigen, cremigen
Geschmack. Die Beeren mit etwas Saft aufkochen und erkalten lassen. Die Bananen
zerdrücken, unterrühren und mit Süßmittel abschmecken. In einer Schüssel
einfrieren und gelegentlich umrühren, damit das Eis nicht kristallisiert.

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